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Unity Insider Forum

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Grüß Dich !

wir schreiben dich an, weil wir unsere Community in Gefahr sehen. Es ist keine finanzielle oder personelle Frage, sondern eine gesetzliche.

Mit dem auf uns zukommenden Artikel 13 basierend auf dem Entwurf des Springer Verlags und durchgesetzt durch Axel Voss (CDU), werden in der Zukunft Seitenbetreiber bzw Forumbetreiber dazu verpflichtet sogenannte Uploadfilter einzusetzen.

An dieser Stelle ist es uns lediglich wichtig dich auf dieses Thema aufmerksam zu machen und dir zwei Links an die Hand zugeben:

https://saveyourinternet.eu/https://saveyourinternet.eu/de/de/

https://twitter.com/ChangeGER/status/1095794493578719242

Ein Link fehlt noch: https://www.gofundme.com/plakate-gegen-artikel-13 Bei dieser Kampagne wird Geld gesammelt, um mit Plakaten auf diese Geschehnisse aufmerksam zumachen. So ein Plakat erreicht viele Tausende Menschen, die mit dem Thema gar nicht konfrontiert sind oder es garnicht mitbekommen.

Es Grüßt die unity-community

PS: geht gleich alles noch mal per Mail raus.

 

 

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Ich denke, ich schreibe mal etwas dazu, auch wenn ich da Anfangs nicht so sicher war. Zu diesem Thema kursiert sehr viel Halbwissen und ich hatte keinen Bock, auf den Zug mit den Fackeln und Heugabeln aufzuspringen, bevor ich nicht das Gefühl habe, etwas besser informiert zu sein. Eine Kampagne wie die von Roman ist sicherlich gut, denn so oder so braucht das Thema so viel Aufmerksamkeit, wie es kriegen kann. Lasst euch aber nicht von reißerischen Phrasen wie "das Internet wird abgeschafft" oder "da wird unsere Meineungsfreiheit abgeschafft" triggern, ohne das Ganze mal zu hinterfragen.

Hier also meine zwei Groschen dazu.

Artikel 13 ist ein Entwurf für eine Gesetzesänderung, die EU-weit inkrafttreten soll. Sie soll Rechteinhaber von urheberrechtlich geschützen Werken unterstützen, dass die Einnahmen, die ihnen für die Werke zustehen, auch bei ihnen ankommen. Es geht hierbei nicht um eine Verschärfung des Urheberrechts. Was vorher nicht erlaubt war, ist immer noch nicht erlaubt (z.B. die Verbreitung von Filmen ohne entsprechende Lizenz), was vorher erlaubt war ist immer noch erlaubt und was vorher Grauzone war ist das theoretisch nach wie vor (z.B. Derivate und Parodien, inklusive Memes).

Aktuell ist der Nutzer einer Plattform derjenige, der sich bei Gesetzesverstößen strafbar macht. Wenn hier ein User den neuen Marvel-Film hochlädt, dann macht er sich strafbar. Wenn wir den dann sofort löschen, dann sind wir als Plattformbetreiber auf der sicheren Seite. Der Entwurf sieht im Kern genau eine Sache vor: Die Strafbarkeit für Urheberrechtsverletzungen auf den Betreiber der Plattform auszuweiten. Das heißt, dass wenn hier ein User ein geschütztes Werk hochlädt, wir dafür verklagt werden können, obwohl wir selber keinen Verstoß begangen haben. Anderen solcherlei Verstöße zu auch nur im Ansatz zu ermöglichen, soll in Zukunft ebenfalls ein Vergehen sein. Daran finde ich für meinen Teil in der Idee nicht wirklich etwas auszusetzen. Das Internet funktioniert eben anders als analoge Medien und ermöglicht es überhaupt erst einmal, unmoderierte Plattformen anzubieten. Was immer in der Zeitung oder im Radio landet, läuft eben immer schon durch einen menschlichen Filter.

Das Problem mit der Reform ist in ihrer aktuellen Fassung die Implementation der Forderungen. Ja, es wird zu keinem Zeitpunkt das Wort "Uploadfilter" erwähnt, obwohl es überall benutzt wird, um Leute anzustacheln. Aber schauen wir uns doch direkt mal das für uns alle am ehesten interessante Beispiel an: Unity-Insider. Es gibt einen kleinen Absatz, der kleinere Plattformen vor der Verantwortung schützen soll. Dieser Absatz verlangt, dass die Plattform nicht älter als drei Jahre ist und nicht mehr als 10 Mio. Euro pro Jahr eingenommen hat. Alleine, weil es Unity Insider schon eine Weile gibt, sind wir dadurch nicht geschützt.

Es ergibt sich daher für uns die Herausforderung, mit "technischen Mitteln" sicherzustellen, dass keine Sekunde lang Urheberrechtsverletzungen in diesem Forum passieren. Und da gibt es potentiell drei Möglichkeiten:

  1. Wir machen einen Pauschaldeal mit Verwertungsgesellschaften, wie Youtube einen mit der Gema hat. Dafür gibt es keinen standartisierten Weg und würde vermutlich eine Menge rechtskräftiger Unterstützung bedürfen. Es ist nicht davon auszugehen, dass wir in der Lage sind so etwas zu erwirken.
  2. Uploadfilter. Wir müssten ein Stück Software besorgen, der auf irgendeine Art jeden Forenbeitrag überprüft und checkt, ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegt.
  3. Wir stellen das Forum so ein, dass wir manuell jeden Post freischalten müssen. Merkste selbst.

1. und 3. kommen absolut nicht in die Tüte.

2., also Uploadfilter, sind extrem problematisch, und das aus zwei Gründen:

  1. Es gibt sie nicht in verfügbarer Form. Google hat auf Youtube das "Content ID"-System laufen, ansonsten gibt es diese Software einfach nicht. Woher sollen wir die kriegen? Wie viel würde sie kosten? Selber schreiben kommt höchstwahrscheinlich nicht infrage. Darüber haben sich die Befürworter des Entwurfs scheinbar keine Gedanken gemacht.
  2. Selbst Youtubes "Content ID" ist echt schlecht. Der "Praxistest", wie man "Content ID" im Rahmen der Artikel 13-Debatte bezeichnen könnte, löscht regelmäßig Derivate und Parodien, die eigentlich keine Urheberrechtsverletzungen darstellen. Darüber hinaus hat Youtube ein autmatisiertes System, mit dem man Urheberrechtsverletzungen geltend machen kann. Wie gut das funktioniert, hat sich in der Vergangenheit mehrfach gezeigt.

Es wird oft gesagt, dass es die großen bösen Plattformen wie Youtube sind, die Versuchen, die kleinen Rechteinhaber über's Ohr zu hauen. Und ja, Youtube und andere große Plattformen sind gegen Artikel 13, weil sie tatsächlich verringerte Einnahmen zu erwarten haben. Das wahre Problem mit Artikel 13 liegt meiner Ansicht nach aber bei den kleinen Plattformen. Plattformen wie Unity Insider, die beim aktuellen Stand des Entwurfs keine Möglichkeit sehen, die Auflagen zu erfüllen und daraufhin schlecht dicht machen müssen. Kleine Plattformen, die einfach nur Meinungsaustausch oder Support anbieten wollen, sind allein durch die theoretische Möglichkeit der Urheberrechtsverletzung die wahren Gelackmeierten.

Zusammenfassend ist Artikel 13 im Kern lediglich eine Anpassung der Gesetzeslage für das Internet, um dort die Rechteinhaber zu schützen, wie es in der analogen Welt schon lange der Fall ist. Das Problem ist der Inhalt des Textes, denn er schafft eine Menge Probleme für kleine Plattformen, für die keinerlei Lösungen angeboten werden. Es ist das typische "lasst uns erst einmal Gesetze auf den Weg bringen", und über die Folgen denkt man vielleicht noch einmal nach, wenn es denn zu spät ist.

Als kleiner Zusatz eine Überlegung bezüglich der Meinungsfreiheit.

In direkter Weise stellt Artikel 13 keinen Angriff auf die Meinungsfreiheit dar und bringt auch keine Zensur. Wer das erzählt, hat das Thema meiner Meinung nach nicht verstanden. Es gibt aber zwei Punkte, die indirekt eine Gefahr für die Meinungsfreiheit im Internet darstellen:

  1. Es gibt keine staatlichen Plattformen im Internet, die zum Meinungsaustausch genutzt werden. Selbst politische Diskussionen, so dumm die Idee auch ist, finden auf Twitter, Youtube, Facebook statt. Das sind alles private Plattformen und diese haben selbstverständlich das Recht, Meinungen nach Lust und Laune besser zu finden. Wenn Twitter einen politischen Tweet löscht, der nicht gegen Gesetze oder Richtlinien der Plattformen verstößt, dann ist das schade, aber deren gutes Recht. Da Artikel 13 in seiner aktuellen Form kleinere Plattformen angreift, bedeutet das indirekt, dass große Plattformen Einfluss auf die Meinungslandschaft des Internets gewinnen. Und damit wird es schwieriger, frei seine Meinung zu äußern.
  2. Es ist scheinbar bereits bekannt, dass die so genannte "Terrorverordnung" auf die Gesetzeslage, wie sie duch Artikel 13 entsteht, aufbauen würde. Nach dem Motto "Hey, wir haben bereits auf allen Plattformen Filter, wir sorgen jetzt dafür, dass terroristische Dinge auch rausgefiltert werden". Oder anders gesagt: Mit den einzuführenden Mechanismen, bestimmte Inhalte noch beim Posten/Hochladen zu verhindern, ist die technische Grundlage geschaffen, tatsächliche Zensur einzuführen. Ja, der Entwurf selber birgt keine Zensur, aber wer noch nicht gemerkt hat, dass das Einführen eines Überwachungsstaats immer schleichend und schrittweise passiert, der hat im Geschichtsunterricht gepennt. Ein Entwurf wie Artikel 13 ist daher immer auch nach seinem Potential zu beurteilen, Teil eines größeren Prozesses zu sein, der letztendes dann eben doch gegen Meineungsfreiheit geht.

Meine Empfehung für euch ist:

  1. Informiert euch. Was ich geschrieben habe, habe ich selbst wieder aus anderen Quellen. Ich habe den Entwurf nicht gelesen. Meines Wissens nach ist der Entwurf nicht einmal öffentlich einsehbar. So oder so - plappert nicht einfach etwas nach, dass ihr von einer einzelnen Quelle erfahren habt.
  2. Wenn ihr dann gegen Artikel 13 seid, und wenn es nur gegen die aktuelle Form des Entwrufs ist, dann informiert euch weiter, was ihr dagegen tun könnt. Es finden vermehrt große Demos statt. Die Flut an E-Mails, die initial kam, wurde von den Witzfiguren der CDU als Bot-basierte Aktion von Google abgestempelt, weil so viele der Absender mit @gmail.com aufhörten. Kein Witz. Wenn ihr also wollt, dass die Kritik ernst genommen wird, dann werdet laut. Aber bleibt dabei auf dem Boden der Tatsachen. Denn wenn Leute unreflektiert "ZENSUR" brüllen, dann verstehen die Leute im Parlement nicht, wo das Problem ist.
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